Commission Model: German version

Eine Einführung in das Auftragsmodell (The Commission Model):

Der Hexham Krankenhausgarten

„Ich habe eine Vision die bisher noch nicht realisiert werden konnte: Ich wünsche mir Schüler, die nicht nur aufnehmen, was ihre Lehrer ihnen unterrichten, sondern die Probleme der realen Welt lösen, die ihnen von ihren Lehrern präsentiert werden. Die Aufgabe von Schulleitern sollte es sein, in das reale Schulumfeld hinauszugehen und Herausforderungen zu finden. Ich träume von Schulen, die an tatsächlichen Problemstellungen arbeiten, anstatt sich nur mit abstrakten Themen in der Klasse zu beschäftigen… Hierbei handelt es sich um eine radikale Art des Lernens – ich möchte aus Schülern Bürger der realen Welt machen.“ (Dorothy Heathcote)

(Source: Özen / Adıgüzel)

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Anmerkung: Die wichtigsten Begriffe aus der Originalfassung der folgenden Artikel wurden teilweise in [Klammern] ergänzt. Im Anschluss an diesen Artikel findet sich zudem eine Wortliste der wichtigsten Begriffe und ihrer Übersetzungen.​

Im Auftragsmodell [Commission Model] bildet der realer Arbeitsauftrag [commission] (wie beispielsweise die Gestaltung eines Krankenhausgartens) eines Auftraggebers [client] die Grundlage eines Unterrichtsprojektes. Hierbei vereinen sich zwei Komponenten: Das gemeinschaftliche Lernen, sowie die aktive Einbindung in die Gesellschaft.

Diese Methode wurde von Dorothy Heathcote erdacht. In dieser Einführung beschreiben wir Dorothys Herangehensweise an solch einen „Arbeitsauftrag“. Des Weiteren erläutern wir ihre zwei „Kategorien“ solcher Aufträge.

Dorothy schrieb 2003:

Vor einem Jahr wandte sich Herr Forsey als Vertreter der Northumbria Health Authority, die derzeit ein neues NHS-Krankenhaus in Hexham baut, an Diane Harris, die stellvertretende Schulleiterin der Queen Elizabeth High School. Er erkundigte sich, ob die Schüler der Schule sich der Gestaltung des Krankenhausgartens annehmen würden, der nach seiner Fertigstellung im Jahr 2004 von Patienten, Mitarbeitern und Besuchern genutzt werden soll. So bekam ich die Gelegenheit, eine Lehrmethode auszuprobieren, welche ich „Das Auftragsmodell“ genannt habe. Diese Methode bietet den Schüler/-innen ein Gefühl von Authentizität und Verantwortung, denn es gibt reale Kunden, die hinzugezogen und deren spezifische Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Das Endergebnis muss schließlich veröffentlicht werden und zwar auf eine Art und Weise die vom Auftraggeber festgelegt wird. [Quelle: Vision]

Von Seiten der Schule arbeitete ein Team von neun Lehrern an diesem „Auftrag“. Sie alle besaßen verschiedenste Qualifikationen und brachten ihre unterschiedlichen Herangehensweisen und Perspektiven ein.

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Ihre Fähigkeiten stammten aus den Bereichen Psychologie, Schauspielerei und Theater, Englisch, Biologie, Klassische Literatur, Geographie und Sport. Des Weiteren beteiligten sich 34 freiwillige Schüler/-innen verschiedener Leistungsstärken aus der 9. Jahrgangsstufe. Die „Lerninhalte“ [curriculum] ergaben sich aus der Auftragsstellung selbst, als das Team überlegte, was es an Wissen bereitstellen, an Recherche betreiben und an Absprachen treffen müsse, um den Auftrag erfüllen zu können. Diese umfasste Thematiken der Biologie des Pflanzenwachstums, die Erstellung eines maßstabgetreuen Modells, das Lesen von Krankenhausplänen und –evaluationen, und weitere. 

Dorothy beschreibt die Arbeitsweise des Auftragsteams [commission team] wie folgt:

Wir arbeiteten in den Räumen der Theater-AG mit mobilen Tischen und Stühlen und den Wandtafeln. Unsere Ausrüstung umfasste das übliche Papier, Stifte, Handkarten und die Federmäppchen der Schüler. Darüber hinaus besaßen wir Zugang zum Biologie-Labor, dem Computerraum (wenn er unbelegt war), der Bühne, dem Kostüm-Fundus und den Scheinwerfern. Das waren demnach die Bedingungen. [Quelle: Vision]

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Abschließend stellte das Team seine Planungen für den Garten einem Krankenhausausschuss vor, der sich aus leitenden Ärzten und den örtlichen Bautechnikern zusammensetzte. John Goodfellow, der für den Garten zuständige Landschaftsarchitekt erklärte, dass das endgültige Entwurfskonzept stark auf der Arbeit der Kinder beruhte.

Verschiedene Auftragsarten

„Es gibt buchstäblich tausende von Aufträgen, die darauf warten angegangen zu werden, damit Schulen und ihre Gemeinden immer enger zusammenwachsen.“ (Dorothy Heathcote)

Dorothy stellte sich zwei Arten von Aufträgen vor, die Schulen übernehmen könnten: Aufträge innerhalb der Schule; und solche von der Gemeinde.

 

  1. AUFTRÄGE INNERHALB DER SCHULE

Hierbei handelt es sich um Aufträge, die von Lehrkräften erdacht wurden, um bestimmte Zwecke im Zusammenhang mit dem Lehrplan zu erfüllen - sie erfordern keine Zusammenarbeit mit externen Partnern. Dorothys diesbezügliches Beispiel:

Ein einfacher Auftrag kann die Bestellung einer Schautafel oder Collage sein, die von einer Kindergartengruppe verwendet werden soll. Diese Bestellung müsste auf realistische, glaubwürdige Weise einer Gruppe von Kindern vorgestellt werden, die sich mit den Themen Messungen, Wortschatzentwicklung sowie den Sozialkompetenzen Teilen und Zusammenarbeit befassen sollen. Man braucht kein großes Vorstellungsvermögen um sich auszumalen, wie dieser Auftrag Lehrplaninhalte aus den Bereichen Zahlen, genaue Messungen, Texturauswahl, Design, etc. umfassen kann. [Quelle: Kontexte]

 

  1. AUFTRÄGE DER GEMEINDE

Verschiedene Gruppen und Organisationen der Gemeinde, wie Museen Wohltätigkeitsorganisationen, Bibliotheken, Unternehmen usw. fungieren hier als „Auftraggeber“. Hierzu ebenfalls ein Beispiel:

... ein Stück verwildertes Land wurde verwandelt, als eine Schulleiterin in ihrem Auto das Gelände als möglichen Spielort ausmachte - an einer Stelle, wo es zuvor noch keinen gab. ... Diese Fläche ist heute ein Kinderspielplatz mit einigen wartungsarmen Gartenanlagen mit Bänken, die mit Spenden und Geschenken von ortsansässigen Hobbygärtnern errichtet wurden. Darüber hinaus gibt es einen Hundebereich und Mülleimer für den Hundekot. ... Es gibt viele solcher Beispiele, bei denen jemand einen Bedarf sieht und Veränderungen unter Mithilfe lokaler Kräfte und deren Ideen herbeiführt. [Quelle: Kontexte]

Für Dorothy illustriert ein Heißluftballon das Auftragsmodell am besten:

„Der Korb unterstützt die menschliche Energie, die die Kraft erzeugt, das Unternehmen zu erhalten und zu führen. Er beinhaltet und begrenzt das Projekt, definiert aber auch klar die Parameter. Die Fähigkeiten, das Wissen und die Überzeugung den Prozess zu einem erfolgreichen Abschluss bringen zu können, sind die Halteseile, die den Korb mit dem Ballon verbinden. Es bedarf viele und verschiedene Stränge, die nach oben führen und am Ballon befestigt werden, um die Arbeit an ihr Ziel zu bringen.“ [Quelle: Kontexte]

Liste der Übersetzungen:

Client – Kunde / Auftraggeber

Commission (Model) – Auftrag (-smodel)

Commission team = Commissioners = Auftragsteam

Curriculum – Lehrplan, bzw. Lehrplaninhalte /-themen

Enterprise – (auftraggebendes) Unternehmen

Rolling Role – rollierende Rolle (Methode von Dorothy Heathcote, ähnlich MoE aber grundsätzlich konzipiert für das fächerübergreifende Lernen an Schulen)

Task – Aufgabe / Teilaufgaben die innerhalb des Auftrages bzw. bei MoE als Zwischenschritte auftreten

Teacher in role – Lehrer in Rolle, der in Absprache mit den Schülern für einen bestimmten Zeitraum in eine Rolle schlüpft

Drama convention – dramatische Elemente

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In dieser Einführung werden die folgenden Themen behandelt:

Seite 1: Miteinbezug des Lehrplans / Was sind die Hauptunterschiede zwischen dem Auftragsmodell und dem klassischen „Mantle of the Expert“?

Seite 2: Die Verwendung von schauspielerischen Elementen im Auftragsmodell / Die Leitlinie

Seite 3: Erste Schritte im Auftragsmodell, mit Luke Abbott und David Allen

Seite 4: Ein Anwendungsbeispiel eines Auftragsmodells: Ein Apothekergarten für das Black Country Living Museum (nahe Birmingham, UK)

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Quellen:

  • „A Vision Possible: The Commission Model of Teaching” by Dorothy Heathcote. In: Drama: One Forum, Many Voices, Winter 2003 (Vol. 11 No.1).

  • „Contexts for Active Learning: Four models to Forge Links Between Schooling and Society.” Presented at the NATD conference, 2002. In: Dorothy Heathcote on Education and Drama: Essential Writings, ed. Cecily O'Neill. (Routledge 2014).

  • „Dorothy Heathcote’s Creative Drama Approaches“ („Dorothy Heathcote ’un Yaratıcı Drama Yaklaşımları“) by Zeki Özen and Ömer Adıgüzel. In: Creative Drama Journal, 2010, Volume 5, Issue 9-10).